Biogasproduktion in Zemmin

Biogasanlage im Bau 2007 - Erste Stromproduktion Juli 2007

Wir haben 2006 gemeinsam mit einem Partner entschieden, in die erneuerbaren Energien zu investieren. Wir haben uns schon länger mit der Problematik beschäftigt. Ziel sollte es sein, ein effizientes Beheizungssystem für die Gebäude auf dem Standort in Zemmin nachhaltig betreiben zu können. Das EEG gab uns die notwendige gesetzliche Sicherheit, zu definierten Einspeiseerlösen die entstehende Prozesswärme sinnvoll zu nutzen. Leider hat der Gesetzgeber nicht immer Wort gehalten und griff in der Vergangenheit diverse Male in das EEG ein. So waren in der Vergangenheit immer wieder Neuinvestitionen und Anpassungen an der technischen Auslegung der beiden Biogasanlagen notwendig.

Die Biogasanlagen schmiegen sich in unseren landwirtschaftlichen Betrieb sehr gut ein. So haben alle Unternehmen gegenseitigen Nutzen voneinander, sogenannte Synergien. Die entstehende Wärme wird in den Gebäuden durch Fernwärme sinnvoll genutzt und schafft so ein zusätzliches Einkommen neben dem Verkauf von Strom.

Zufriedener Landwirt vor gutem Mais zur Ernte im Jahr 2013

 

Die beiden Landwirtschaftsbetriebe liefern auf Vertragsbasis Silomais, Schweinegülle und eventl. Getreide nach Bedarf und sind so von gewissen Marktschwankungen befreit, da der Anbauvertrag mehrjährig geschlossen wurde. Die Gärreste sind ein deutlich hochwertigerer organischer Dünger als Schweinegülle und läßt sich effizienter und emissionsärmer ausbringen. Ein weitere Vorteil ist, dass Gärreste bei der Ausbringung nicht so penetrant riechen. Dies schont die Anwohner und führt dazu, dass der flüchtige Stickstoff dort bleibt wo er hingehört - In den Boden als Pflanzenverfügbarer Nährstoff !

 

Die Herzstücke der beiden Biogasanlagen - Die Jenbacher BHKW`s mit 526 kWh elektrischer Leistung

In den beiden Biogasanlagen wird stündlich jeweils 526 kW elektrischer Strom erzeugt. Es fällt ungefähr die gleiche Menge an Wärmeenergie an, welche durch Motorabwärme und durch Auskopplung der Abgaswärme durch einen sogenannten Abgaswärmetauscher in Form von 85°C warmen Wasser anfällt. Diese Energie kommt ausschließlich durch Fermentation von Nachwachsenden Rohstoffen und Schweinegülle zustande. Hierzu sind ca. 24 Tonnen gute Maissilage und 30 Tonnen Schweinegülle täglich notwendig. Das "Biogas", welches durch verschiedene Bakterienkulturen produziert wird, durchläuft eine natürliche Abkühlung und danach einen Aktivkohlefilter. Dies filtert schädliche Nebenbestandteile wie z.B. Schwefelwasserstoff und Stäube aus dem Gas heraus, so dass das BHKW saubere Verbrennungswerte heraus. Für besonders saubere emissionsarme Verbrennung, bekommt ein Landwirt einen zusätzlichen Bonus, den sogenannten Formaldehydbonus, welcher vom Netzbetreiber ausgezahlt wird. Diese saubere Verbrennung muß der Biogasbetreiber jährlich neu durch ein zugelassenes Ingenieurbüro nachweisen.

Visualisierung einer Biogasanlage - Bedienungsterminal Technikraum

 

Beide Biogasanlagen produzieren zur Zeit unter Vollast ca. 25.000 kw/h täglich. Dies sind auf 365 Tage ungefähr 9.000.000 kw/h elektrische Energie im Jahr. Dies reicht für umgerechnet ca. 1.800 Haushalte bei einem Durchschnittsverbrauch von 5.000 kw/h im Jahr. So können wir bei der Annahme, dass 4 Personen in dem durchschnittlichen Haushalt wohnen 7.200 Menschen mit elektrischer Energie ganzjährig versorgen. Ich denke, damit haben wir bereits einen großen Beitrag zur Versorgung mit regenerativer Energie geleistet.

Auf dem Bild rechts sieht man deutlich die Visualisierung, mit der die komplette Anlage per SPS Steuerung bedient werden kann. Zu sehen ist der Fermenter, die Fütterungsanlage, die Gaswerte und das BHKW mit Leistungsanzeige. Oberhalb ist noch zu erkennen, dass die Anlage auch vom Energieversorger abgeregelt werden könnte, wenn das Netz überlastet ist. Zukünftig werden wir auch in der Regelenergie teilnehmen, was erheblich zur Entlastung der Netze beiträgt. Biogas ist eine grundlastfähige Energie !

1 wöchiger Chartverlauf - Deutlich sieht man die Wartung mit Motorenstillstand in der Mitte des Bildschirms

Die BHKW`s haben zur Zeit ca. 67.000 Betriebsstunden. In 2016 steht der Motorenwechsel an. Dieser ist bereits jetzt geplant. Sie haben dann in ca. 9 Produktionsjahren durchschnittlich annähernd 8.700 Betriebsstunden jährlich geleistet. Dies sind hohe Leistungswerte, die nur durch vorrauschauendes Management und durch robuste Technik erreicht werden kann. Im Moment stehen die Regenerativen Energien in der Diskussion. Wir sind überzeugt, dass die so entstehende Energie sauber und vor allen Dingen ständig erneuerbar ist.

 

Es bleibt zu hoffen, dass unsere Bundes und Landespolitik der gesamten regenerativen Energie die Chancen einräumt, die dieser junge Wirtschaftszweig verdient hat. Windkraft, Photovoltaik und Biomasse hinterläßt im Gegensatz zu Kohle-und Atomstrom keinen Müll bzw. schädliche Emissionen ! 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Josef Kühling GbR; 17129 Bentzin OT Zemmin